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[Buchrezension] Wenn die Kraniche nach Süden ziehen, [Rezension] Lisa Ridzén

  • Writer: Alexandra Antipa
    Alexandra Antipa
  • 6 hours ago
  • 3 min read



Ich hätte nicht erwartet, dass mich dieses Buch so tief bewegen würde. Schon auf den ersten Seiten fühlte ich mich in die Welt von Bo hineingezogen – einem 89-jährigen Mann, der allein im ländlichen Norden Schwedens lebt und an seiner Routine festhält, während sich alles um ihn herum langsam verändert. Seine Frau ist in einem Pflegeheim, sein Körper lässt ihn im Stich, und seine einzige Quelle des Trostes ist sein Dox. Am meisten beeindruckt hat mich, wie intim sich die Geschichte anfühlt. Sie ist nicht lautstark dramatisch, sondern zart und beobachtend. Es ist die Art von Geschichte, die dazu einlädt, über das eigene Leben und alles, was wichtig ist, nachzudenken.

 

Meine Meinung:

 

Bo ist so ein interessanter Charakter. Durch seine Gedanken und Erinnerungen spürte ich die Last eines langen Lebens – die angesammelten Reuegefühle, die Liebe, die alles erträglich machte, die Beziehungen, die manchmal schwierig waren. Vor allem aber den hartnäckigen Preis, der ihn am Leben hält. Als die Möglichkeit, sogar seinen pelzigen Freund zu verlieren, real wurde, traf mich das härter als erwartet. Es ging nicht nur um ein Haustier, es war ein Symbol für Würde, für die Wahrung der Unabhängigkeit, für die Angst, unnötig zu werden. Je mehr ich mich damit beschäftigte, desto mehr konnte ich lernen. Ich wurde in gewisser Weise an meine eigenen schwierigen Momente und meinen eigenen Lebensweg erinnert.

 

Beim Lesen merkte ich, wie ich langsamer wurde. Der Text hat einen ruhigen, nachdenklichen Rhythmus, der Bos Lebensrhythmus widerspiegelt. Es gab Momente, die mich sanft lächeln ließen, und andere, die mich innehalten und mit einer stillen Traurigkeit zurückließen. Das brachte mich dazu, an meine eigenen Großeltern zu denken – über das Älterwerden, darüber, wie leicht wir das Gefühlsleben älterer Menschen unterschätzen. Für mich ging es in diesem Buch nicht um große Wendungen in der Handlung. Es ging um Menschlichkeit. Es hat mich daran erinnert, wie zerbrechlich Autonomie sein kann und wie sehr wir alle gesehen, gehört und respektiert werden wollen – selbst am Ende unseres Lebens.

 

Es versucht nicht, Emotionen zu erzwingen, sondern vertraut darauf, dass der Leser gleichzeitig Unbehagen und Zärtlichkeit empfindet. Bos Geschichte wirkt sehr spezifisch und doch universell – eine Erinnerung daran, dass Altern nicht nur körperlicher Verfall ist, sondern eine komplexe emotionale Landschaft voller Erinnerungen, Stolz, Verletzlichkeit und Liebe. Lange nachdem ich den Roman beendet hatte, dachte ich darüber nach, wie wir ältere Menschen behandeln, wie wir Unabhängigkeit messen und wie kleine Gesten des Verständnisses alles bedeuten können. Mir wurde klar, dass manchmal die größte Geste des Mitgefühls darin besteht, jemandem einfach zu erlauben, an den Teilen des Lebens festzuhalten, die ihm noch das Gefühl geben, ganz zu sein.

 

Zusammenfassung:

 

Ich habe dieses Buch geliebt, weil es mich auf so ruhige, ehrliche Weise bewegt hat. Seine emotionale Tiefe entfaltet sich sanft, ohne dramatische Wendungen, und dennoch hat es einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Die Geschichte behandelt Themen wie Altern, Würde, Liebe und Verlust mit einer solchen Sensibilität, dass sie authentisch und nicht sentimental wirkt. Besonders geschätzt habe ich, wie es das Innenleben eines älteren Mannes in den Mittelpunkt stellt – eine Perspektive, die selten mit so viel Sorgfalt und Nuancen beleuchtet wird. Es ist absolut lesenswert, weil es zum Nachdenken über Familie, Autonomie und den Lauf der Zeit anregt und noch lange nach dem Umblättern der letzten Seite nachwirkt.


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